Tuberkulose und pneumologische Versorgung, Ausbildung und Forschung in Namibia

PD Dr. Gunar Günther, Leitender Arzt, Klinik für Pneumologie, Allergologie und Klinische Immunologie

Die Klinik für Pneumologie am Inselspital, vertreten insbesondere durch PD Dr. Gunar Günther, pflegt seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit mit akademischen Institutionen und Krankenhäusern in Namibia. Dr. Günther ist Gastprofessor (visiting associate professor) an der University of Namibia sowie beratender Pneumologe (visiting specialist) für das namibische Gesundheitsministerium. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt am Katutura Hospital in Windhoek, dem größten Lehrkrankenhaus des Landes.

Namibia im südlichen Afrika zählt rund drei Millionen Einwohner, weist jedoch eine extrem hohe Tuberkuloseinzidenz auf – fast hundertmal höher als in der Schweiz. Etwa 13% der erwachsenen Bevölkerung ist mit dem HI-Virus infiziert. Der Großteil der Bevölkerung ist auf das öffentliche Gesundheitssystem angewiesen, im Gegensatz um besser ausgestattem privaten Sektor. Im gesamten öffentlichen Sektor des Landes steht derzeit lediglich ein Facharzt für Pneumologie für die spezialisierte pneumologische Versorgung zur Verfügung.

Im Jahr 2010 gründete Namibia eine medizinische Fakultät zur Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten; seit 2016 verfügt das Land über eigene Absolventinnen und Absolventen der Humanmedizin.

Dr. Günther reiste erstmals 2011 nach Namibia mit dem Anliegen, den Aufbau der neu gegründeten medizinischen Fakultät zu unterstützen. Seit 2012 ist er kontinuierlich in die universitäre Lehre eingebunden. 2015 übernahm er eine Vollzeitstelle im namibischen Gesundheitsministerium als erster Facharzt für Pneumologie im öffentlichen Gesundheitssektor. Zu seinen zentralen Aufgaben gehörten der Aufbau einer strukturierten pneumologischen Versorgung sowie die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit komplexen und medikamentenresistenten Formen der Tuberkulose. Parallel dazu war er in der Lehre an der Medizinischen Fakultät tätig.

Auch nach seinem Wechsel ans Inselspital im Jahr 2019 setzt er seine klinische Tätigkeit sowie sein Lehrengagement in Namibia fort. Ein besonderer Schwerpunkt liegt weiterhin in der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit medikamentenresistenter Tuberkulose – einer Erkrankung, die in der Schweiz vergleichsweise selten ist.

Darüber hinaus engagiert sich Dr. Günther im Aufbau nachhaltiger Forschungskapazitäten. Gemeinsam mit namibischen Kolleginnen und Kollegen gründete er 2016 die Forschungsgruppe GRID an der University of Namibia. In den vergangenen Jahren wurde dort eine leistungsfähige Forschungsinfrastruktur etabliert, darunter ein BSL-3-Forschungslabor sowie eine Plattform zur genomischen Sequenzierung zur Vorhersage von Medikamentenresistenzen bei Tuberkulose.

Sämtliche Aktivitäten sind eng mit Ausbildungsprogrammen für junge afrikanische und namibische Ärztinnen, Ärzte sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verknüpft. Die Förderung des akademischen Nachwuchses ist ein zentraler Bestandteil nachhaltiger globaler Gesundheitsinitiativen.

Durch das langjährige Engagement von Dr. Günther und die kontinuierliche Einbringung seiner fachlichen Expertise konnte die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Tuberkulose und pulmonalen Erkrankungen deutlich verbessert werden. Dennoch bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen: Es mangelt nach wie vor an ausreichend qualifizierten Fachkräften. Viele wichtige Public-Health-Initiativen sind stark unterfinanziert. Medikamente und diagnostische Verfahren sind nicht durchgehend verfügbar. Zahlreiche Untersuchungs- und Therapiemöglichkeiten, die in der Pneumologie als medizinischer Standard gelten, sind für Patientinnen und Patienten in Namibia nicht oder kaum zugänglich.

Die bestehende Ungleichheit in der Gesundheitsversorgung zwischen ressourcenarmen und wohlhabenden Ländern bleibt eine große globale Herausforderung. Unser fortwährendes Engagement zielt darauf ab, einen nachhaltigen Beitrag zur Verringerung dieser Lücke zu leisten.