Écoute-moi! – Pionierarbeit für das Gehör im Tschad

Benjamin von Gunten ist Elektroingenieur am Hörimplantate-Zentrum der HNO-Klinik mit 20 Jahren Erfahrung in diesem Bereich. 

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Benjamin von Gunten präsidiert den Verein Écoute-moi! welcher sich der Unterstützung von Menschen mit Hörbeeinträchtigungen in Afrika widmet; wobei der Fokus primär auf Kindern liegt. Das übergeordnete Ziel ist es, diesen Kindern durch den Zugang zu moderner Hörtechnologie und professioneller Betreuung eine gesellschaftliche Integration, Bildung und damit eine bessere Zukunftsperspektive zu ermöglichen. Die Vision des Vereins umfasst den Aufbau eines nachhaltigen Netzwerks von Hörgeräte-Zentren, die von lokalen Teams eigenständig geführt werden. 

Aktuelle Standorte und Aktivitäten

Das Projekt konzentriert sich derzeit auf die Hauptstadt des Tschad, N'Djamena, und operiert dort an mehreren strategisch wichtigen Standorten:

Gehörlosenschule: In einer spezialisierten Bildungseinrichtung werden seit 2019 regelmässige Hörtests durchgeführt und die Schüler mit Hörgeräten versorgt.

Fachärztliche Praxis: In Zusammenarbeit mit einer HNO-Praxis wird seit 2021 der breiten Bevölkerung Zugang zu umfassenden Gehörsabklärungen und qualitativ hochwertigen Hörhilfen geboten.

Spital: In einem Spital in der Hauptstadt N'Djamena wurde eine audiologische Station in einen akustisch gedämmten und klimatisierten Schiffscontainer eingebaut. Es ist eine Station für das erste Neugeborenen-Hörscreening des Landes um Hörverluste bereits im frühesten Alter zu erkennen. 

Das Angebot geht dabei über die reine Abgabe von Geräten hinaus. Es umfasst ganzheitliche diagnostische Hörprüfungen, die präzise Einstellung der Hörgeräte, Hörtraining sowie die Beratung und Sensibilisierung der Angehörigen.

Nachhaltigkeit und lokales Team

Ein zentraler Pfeiler des Projekts ist die Befähigung der einheimischen Bevölkerung zur Selbsthilfe. Die Arbeit vor Ort wird von einem tschadischen Team geleistet, das regelmässig von Experten aus der Schweiz (und international) geschult wird. Diese Fachkräfte nehmen eine Pionierrolle in ihrem Land ein. Unterstützt wird die Umsetzung durch einen lokalen Partnerverein, der die Aktivitäten vor Ort koordiniert und die langfristige, an die regionalen Bedürfnisse angepasste Strategie entwickelt.

Zukunftspläne und Ziele

Für die kommenden Jahre strebt der Verein eine kontinuierliche Erweiterung seiner Kapazitäten an. Dazu gehören:

Ausbau der Standorte: Die bestehenden Einrichtungen sollen personell und technisch gestärkt werden, etwa durch die Inbetriebnahme einer weiteren voll ausgestatteten Hörgeräte-Zentrums in einem anderen Quartier.

Mobilität: Geplant ist der Einsatz einer mobilen Untersuchungseinheit, um auch Kinder in entlegenen Regionen des Landes erreichen zu können.

Bildung: Die lokalen Mitarbeiter sollen zu Ausbildnern heranreifen, die ihr Wissen in Seminaren selbstständig weitergeben.

Geografische Erweiterung: Langfristig ist die Gründung ähnlicher Projekte in weiteren afrikanischen Ländern angedacht. Es bestehen bereits Anfragen. 

Wirkung

Das Projekt schliesst eine bedeutende Versorgungslücke im tschadischen Gesundheitssystem. Fallbeispiele zeigen eindrücklich, wie Kinder, die zuvor isoliert waren, durch die Hörgeräteversorgung wieder in die Regelschule integriert werden oder sogar eine Ausbildung anstreben können. Letztlich leistet Écoute-moi! einen wesentlichen Beitrag zur Chancengleichheit und zum Abbau von Stigmatisierung gegenüber Menschen mit Beeinträchtigungen.