Klinische Ausbildung der Pflege & Hebammenberufe – zukunfts- und praxisorientiert

Die klinische Ausbildung von Lernenden und Studierenden der Pflegeberufe & Hebammen setzt auf praxisorientiertes Lernen mit unterschiedlichen Formen der Lernbegleitung.

Drei Ausbildungsformen für praxisnahes Lernen

In der Insel Gruppe gehören die Formen «Lernen mit Tagesbezugsperson (TBP)», Lernen mit «Berufsbildner:in (BB)» und die neu geschaffene Form «Lernen im LernTeam mit Praxisausbildner:in Pflege (PAP)» zu den Varianten der klinischen Ausbildung. Ein LernTeam setzt sich aus mindestens drei Auszubildenden zusammen.

Lernen mit Tagesbezugsperson (TBP)

Praxislernen im Arbeitsalltag mit Begleitung, Rückmeldung und Reflexion.

Lernen mit Berufsbildner:in (BB)

Gezieltes Erlernen und Vertiefen einzelner Handlungskompetenzen.

Lernen im LernTeam mit Praxisausbildner:in Pflege (PAP)

Gemeinsames Lernen, Verantwortung übernehmen und voneinander profitieren.

Lernen im LernTeam

Der/die Praxisausbildner:in Pflege leitet und koordiniert das LernTeam, gibt Rückmeldung und fördert die Reflexion im LernTeam.

Im LernTeam können Auszubildende zusätzliche Handlungskompetenzen wie Verantwortung übernehmen, Zusammenarbeit oder das Delegieren üben und sie profitieren vom Lernen mit- und voneinander.

Die drei Formen der klinischen Ausbildung stärken die Transfer- und Handlungskompetenzen der Auszubildenden wie auch den Skill- und Grade-Mix und bereiten sie optimal auf die Herausforderungen des Berufsalltags vor.

Erfahrungen aus erster Hand

Die FaGe Lernende Maliya, im 1. Lehrjahr, teilt im Interview ihre persönlichen Erfahrungen.

«Für mich sind alle Lernformen sehr lernfördernd.»

Wie erlebst du die klinische Ausbildung auf deiner Abteilung und was hat dich bisher besonders geprägt?

Ich erlebe die Ausbildung sehr positiv – strukturiert, organisiert und zuvorkommend. Besonders prägt mich das Team in meiner Ausbildung. Die Zusammenarbeit vieler unterschiedlicher Menschen, die alle dasselbe Ziel verfolgen, beeindruckt mich sehr und ich lerne täglich davon.

Im Alltag wechseln sich Lernen mit Tagesbezugsperson, Berufsbildner:in und Lernen im LernTeam ab. Wie ergänzen sich die verschiedenen Lernformen aus deiner Perspektive?

Mit meiner Berufsbildnerin schaue ich spezifische Situationen an. Dort kann ich gezielt einzelne Handlungskompetenzen erlernen.

Im LernTeam übe ich praktische Situationen und erlebe durch den Mix im Team verschiedene Techniken und Herangehensweisen. Wir reflektieren Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven, was meinen Blickwinkel erweitert.

Mit der Tagesbezugsperson bin ich im Alltag vermehrt selbstständig unterwegs. Ich setze das Gelernte um und reflektiere meine Tätigkeiten – entweder selbstständig oder bei Unsicherheiten gemeinsam mit ihr.

Für mich sind alle Lernformen sehr lernfördernd. Es gibt zwar Überschneidungen, trotzdem braucht es aus meiner Sicht jede einzelne davon. Dank dieser drei Lernformen konnte ich bereits viele Fortschritte in meiner Ausbildung erzielen.

Praxislernen passiert oft mitten im Arbeitsalltag – wie sieht das konkret aus?

Ich übe Handlungskompetenzen in den verschiedenen Lernformen, erhalte Rückmeldungen und passe mein Handeln entsprechend an. Durch Wiederholungen gewinne ich zunehmend an Routine. Die unterschiedlichen Rückmeldungen helfen mir dabei, mein Lernen zu verbessern und verschiedene Herangehensweisen kennenzulernen.

Feedback und Reflexion sind wichtige Elemente der Ausbildung. Wie werden diese im Alltag umgesetzt und welchen Nutzen haben sie für deinen Lernprozess?

Ich erhalte regelmässig positives wie auch konstruktives Feedback. Ich nehme Rückmeldungen ernst, reflektiere sie selbstständig und setze sie im Alltag um. Besonders von regelmässigem Feedback profitiere ich sehr – deshalb hat es für meinen Lernprozess einen grossen Nutzen.

Rückmeldungen erhalte ich oft direkt nach den Tätigkeiten oder bei der Tagesauswertung. Zu Beginn des Tages werden Ziele festgelegt, die anschliessend gemeinsam evaluiert werden. Auch im LernTeam geben sich Lernende und Studierende gegenseitig Feedback. Das finde ich spannend, weil dabei oft genau die wichtigsten Punkte angesprochen werden.

Im LernTeam lernen Auszubildende auch voneinander. Welche Chancen siehst du im gemeinsamen Lernen im Team?

Ich finde, ein LernTeam hat viele Vorteile. Teamarbeit und gemeinsame Organisation werden gefördert und die Ressourcennutzung steht im Vordergrund. Im LernTeam ergänzen wir uns gegenseitig und profitieren voneinander. Herausfordernd ist manchmal die Arbeitsorganisation, da je nach Kompetenzen nicht immer für alle passende Lernsituationen entstehen.

Wie gehst du mit Unsicherheiten und der Verantwortung im Arbeitsalltag um?

Bei Unsicherheiten hole ich mir Unterstützung – auch dann, wenn ich eine Handlung eigentlich bereits selbstständig durchführen könnte. Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst und gehe sorgfältig damit um.

Ich merke, dass es geschätzt wird, wenn man Unsicherheiten offen anspricht. Gleichzeitig werde ich wahrgenommen, wenn ich bereit für den nächsten Schritt bin. Dann wird mein Vorwissen gezielt einbezogen und ich werde entsprechend gefördert.

Aus deiner Sicht: Was macht eine gute Lernkultur auf einer Abteilung aus?

Für mich ist offene Kommunikation das Wichtigste. Man sollte jederzeit Fragen stellen können. Ebenso gehören eine konstruktive Feedbackkultur sowie gegenseitige Unterstützung zu einer guten Lernkultur dazu.

Einschätzung aus Sicht der Bildungsverantwortung

Die Einschätzung der Bildungsverantwortlichen Marlene Hugentobler wirft einen klaren Blick auf die Lernformen.

Die klinische Ausbildung basiert auf verschiedenen Lernformen. Welche Bedeutung haben diese unterschiedlichen Formen aus deiner Sicht für das Lernen in der Praxis?

Dank der drei Ausbildungsformen sind die Lernenden kontinuierlich einer verantwortlichen, qualifizierten Pflege zugeteilt. Die Begleitung, Beratung und Förderung auf jeder Schicht sind damit gewährleistet. Die Verantwortung wird so kommuniziert, dass sowohl die Tagesbezugspersonen als auch die Berufsbildner:innen und Praxisausbildner:innen die Patient:innensicherheit im Fokus behalten können und das Lehrangebot individuell und ressourcenorientiert anpassen können. Damit sinkt der Druck auf die verantwortliche qualifizierte Pflege erheblich.

Die Lernenden übernehmen zunehmend Verantwortung. Wie gelingt es, eine gute Balance zwischen Anleitung, Begleitung und Selbstständigkeit zu schaffen?

Aufgrund der drei Ausbildungsformen werden automatisch unterschiedliche Anforderungen an die Lernenden gestellt. Sie trainieren in der Arbeit mit der Tagesbezugsperson, erlernte Handlungskompetenzen effizient und effektiv im Alltag auszuüben.

Im Lernen mit der Berufsbildner:in werden Kompetenzen gelehrt und vertieft. Die Lernenden trainieren das Umsetzen von Einzeldelegationen sowie das Organisieren und Rapportieren in ungewohnten, herausfordernden Situationen.

Im LernTeam führen die Lernenden sich selbst und andere Auszubildende. Das Arbeiten als Pflegetandem in einer «Lernzone» ist ein gezieltes Training für das Handeln in Eigenverantwortung. Damit ist die Balance zwischen Anleiten, Begleiten und Selbstständigkeit gegeben.

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Lernende und Studierende wurden im Januar 2026 befragt.

Die neue Lernform wird sehr positiv wahrgenommen und geschätzt – insbesondere, weil die Teilnehmenden voneinander lernen und dabei wertvolle Kompetenzen im Austausch miteinander entwickeln.